{"id":1309,"date":"2023-12-13T11:55:49","date_gmt":"2023-12-13T09:55:49","guid":{"rendered":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=1309"},"modified":"2023-12-13T11:58:10","modified_gmt":"2023-12-13T09:58:10","slug":"beate-und-das-unglueck-im-glueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=1309","title":{"rendered":"Beate und das Ungl\u00fcck im Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich bin 14 Jahre alt, nein, ich bin schon in den sp\u00e4ten F\u00fcnfzigern, aber ich erz\u00e4hle diese Geschichte aus der Warte eines Jugendlichen. Endlich kein Kind mehr, zumindest nach dem Gesetz endlich ein Jugendlicher. Sie hei\u00dft Beate, Beate ist ein lateinischer Name mit der Bedeutung: Die Gl\u00fcckliche<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen uns auf dem Pl\u00e4rrer, bei den Autoscootern treffen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war kein gl\u00fcckliches Kind.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher glaubte ich, Erwachsen sein, sei wahres nahezu unendliches Gl\u00fcck, man darf so viel Nutella essen und so viel Limo trinken, wie man m\u00f6chte. Man darf im Fernsehen nicht nur die Sendung mit der Maus anschauen, wenn man Gl\u00fcck hat ausnahmsweise Didi Hallervorden oder Hans Rosenthal.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber daf\u00fcr musste man brav und flei\u00dfig sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf als Erwachsener ein Auto fahren, ich tr\u00e4umte als Kind von einem Ford mit 6 Zylindern so einen, wie ihn der Nachbar Herr Aichm\u00fcller f\u00e4hrt, nur statt in braun in gr\u00fcn metallic. Wenn es das Schicksal besonders gut meint, k\u00f6nnte es sogar f\u00fcr einen Mercedes SLC oder Trans AM mit 8 Zylindern reichen. Man bekommt einen tollen Beruf und nat\u00fcrlich erf\u00fcllt sich auch der Traum von der gro\u00dfen Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Beate, wenn dein Name f\u00e4llt, dann startet in meiner Brust eine Rakete, die im Hals zu explodieren droht und dann hinaus schie\u00dft ins dunkle Universum und irgendwann im Dunklen erlischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte aber, dass du in mir etwas entz\u00fcndest, das wie der Venusstern ewig leuchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Beate, du bist meine gr\u00f6\u00dfte Liebe aller Zeiten, so tief lieben wie ich, das kann kein ein anderer, das bildete ich mir mit vierzehn ein. Was Rockefeller im Gesch\u00e4ftsleben und Werner von Siemens in der Elektrotechnik, m\u00f6chte ich mit meiner vertr\u00e4umten Leidenschaft sein. Gleichzeitig mache ich mir Vorw\u00fcrfe, wegen meines seltsamen Gr\u00f6\u00dfenwahns. Ich liebe Beate so tief, wie nur ein Dichterherz lieben kann. Diesen Satz habe ich bei Puschkin geklaut, Lenski sagt es im Versroman oder singt es in der Oper zu Olga.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich bin Dichter, manchmal sind sie Egomanen, die weltfremden Poeten. Sie lieben die Fiktion viel mehr als die Realit\u00e4t, sie lieben ihre Gedichte und Romane. Sie hassen den Alltag und die Pflichten. M\u00e4dchen sind wie Feen und Elfen aus einer M\u00e4rchenwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Phantasie besiegt Beate Martina Navratilova im Tennis. Aber Beate ist zart und zierlich, auch ihre Seele wirkt zerbrechlich. Gegen Martina Navratilova ist Beate eine Verliererin, gegen Beate bin ich im Tennis ein Looser. \u00a0Ich habe nicht den Mut, sie um einen Tennistermin zu bitten. Ich f\u00fcrchte gegen sie innerhalb einer Stunde dreimal 6:0 zu verlieren, Martina Navratilova w\u00fcrde es in 50 Minuten schaffen. Schon ein 6: 2 w\u00e4re ein Erfolg gegen Beate.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosen schenken ist das Zeichen der Liebe, am liebsten w\u00fcrde ich Beate einen Strau\u00df Rosen schenken. Sie sollen ungerade sein. Ein Pakistani verkauft aufdringlich Rosen. Das Taschengeld reicht gerade noch f\u00fcr eine. Wenn ich Oberamtsrat wie mein Vater w\u00e4re, k\u00f6nnte ich locker 100 Euro f\u00fcr Rosen ausgeben. Rosen schenken, wenn man unromantisch und perfide ist, k\u00f6nnte man diese Zeremonie als billigen unter Umst\u00e4nden auch als teuren Trick bezeichnen, als Werbungskosten im wahrsten Sinne des Wortes. F\u00fcr mich sind 99 Rosen ein teurer Trick, f\u00fcr Donald Trump ein billiger. Nein, so b\u00f6se bin ich mit 14 noch nicht. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wir tragen beide bayerische Tracht und f\u00fchlen uns irgendwie unwohl, normalerweise tragen wir am liebsten Tennissachen von Ellesse oder Fila, das was Borg und Boris Becker tragen. Darin f\u00fchlen wir uns wohl. Ich hatte diese bl\u00f6de Idee mit der Tracht, mit der Lederhose und dem Dirndl. Als Kind freute ich mich \u00fcber ein Tennishemd von Ellesse, heute habe ich den ganzen Schrank davon voll.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir steigen in einen gelben Autoscooter, frontal rammt uns ein Junge, es gibt einen Sto\u00df, dem Jungen gef\u00e4llt es. Ich habe Scherzen im Nacken. Nach zwei Minuten sind die Schmerzen weg. F\u00fcrs Bierzelt sind wir noch zu jung, heimlich mal einen halben Liter Weizen nach dem Tennis schnell getrunken, das war m\u00f6glich, das war wie eine Reise in eine andere Bewusstseinssph\u00e4re, eine Reise von Zukunfts\u00e4ngsten und l\u00e4stigen Schulaufgaben in die Gegenwart und von dort in die Gleichg\u00fcltigkeit, in die Leichtigkeit des Seins. Ich habe schon wieder Worte geklaut, diesmal bei Milan Kundera.<\/p>\n\n\n\n<p>Knausgard einer meiner liebsten Autoren schreibt auch gerne \u00fcber Rauchen und Trinken in der Jugend. Knausgard ist wie ich ein \u00fcberbeh\u00fcteter Nordeurop\u00e4er. Manchmal tr\u00e4umte ich als Kind sogar in der Dritten Welt in einem Slum zu leben, tr\u00e4umte von einem Leben ohne Binomische Formeln und Kongruente Dreiecke, ohne Sagrotan und Xyladecor.<\/p>\n\n\n\n<p>Beate hat eine Schachtel Marlboro bei sich. Vor den Autoscootern wollen wir nicht rauchen, Polizisten patrouillieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Jugendschutzgesetz ist das Rauchen erst ab 16 erlaubt. Wo kein Kl\u00e4ger, da kein Richter, wo kein Polizist oder Erwachsener, dort setzt keiner das Jugendschutzgesetz durch. Pubert\u00e4re wollen auch mal gegen Regeln versto\u00dfen, Regeln, Regeln, Regeln. Deutsche sind besonders Regelverliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Rauchen ist zwar verboten, aber es wird nicht bestraft, wie Diebst\u00e4hle oder Vandalismus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was soll ich tun? Ich m\u00f6chte Beate auf der Stelle k\u00fcssen, die Knie zittern, die Stimme bebt. Nat\u00fcrlich tue ich es nicht, ich will mir nicht alles kaputt machen, ich m\u00f6chte kein W\u00fcstling sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Beate reicht mir eine Zigarette und Feuer, ich nehme einen tiefen Lungenzug. Innerhalb von Sekunden wirkt, das Nikotin, eine seltsame Droge, anregend und angstl\u00f6send gleichzeitig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein w\u00fcrziger Geschmack im Mund, ein sanftes Kratzen in den Bronchien. Beate schenkt mir eine Zigarette, ich bin so stolz darauf, sie k\u00f6nnte mir ihre Liebe schenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Martina Navratilova hat heuer Wimbledon gewonnen, Beate hat mein Herz gewonnen. Sie musste sich daf\u00fcr nicht einmal anstrengen. Ich will ihr Herz gewinnen, ich bin ein Hosenschei\u00dfer und Hasenfu\u00df, ich steckte den Finger in den Mund. Beate l\u00e4chelt verlegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin 14 Jahre alt, nein, ich bin schon in den sp\u00e4ten F\u00fcnfzigern, aber ich erz\u00e4hle diese Geschichte aus der Warte eines Jugendlichen. 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