{"id":1314,"date":"2023-12-17T16:33:30","date_gmt":"2023-12-17T14:33:30","guid":{"rendered":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=1314"},"modified":"2023-12-17T16:33:30","modified_gmt":"2023-12-17T14:33:30","slug":"meine-erste-geschichte-die-in-finnland-spielt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=1314","title":{"rendered":"Meine erste Geschichte, die in Finnland spielt"},"content":{"rendered":"\n<p>Der alte Mann und die Milchkanne<\/p>\n\n\n\n<p>Paavo war traurig. Vorige Woche hatte er seinen 90. Geburtstag gefeiert, zusammen mit der Nachbarin, der 88- j\u00e4hrigen Taru. Seine Ehefrau war vor \u00fcber 20 Jahren an Krebs gestorben, die einzige Tochter Helga war mit 39 Jahren ebenfalls an Krebs gestorben: \u201eDieser verdammte Krebs, mir w\u00e4re lieber gewesen, er h\u00e4tte statt Helga mich erwischt\u201c, dachte sich Paavo. Er lebte alleine in Kajaani, in einem kleinen Holzhaus, nur die alte Taru besuchte ihn gelegentlich, sie erz\u00e4hlte ihm immer wieder dieselben Geschichten und Paavo erz\u00e4hlte Taru auch immer wieder dieselben Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen ging die Sonne bereits um 15 Uhr unter, die Taiga schimmerte. Man konnte kilometerweit in den Wald hineinsehen. Es gab hei\u00dfen Tee und Vanillepl\u00e4tzchen bei Paavo.<\/p>\n\n\n\n<p>Paavos Lieblingsgeschichte handelte von folgendem:<\/p>\n\n\n\n<p>Helga hatte als kleines M\u00e4dchen, ihr Schiffchen im See nicht mehr gefunden und weinte deswegen bitterlich. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders oft erz\u00e4hlte er auch diese Story:<\/p>\n\n\n\n<p>Helga hatte ein blaues Auge vom Nachbarsjungen verpasst bekommen, weil sie ihre Puppe nicht hergeben wollte. Der Nachbarsjunge war daf\u00fcr bekannt, den Puppen die K\u00f6pfe abzurei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war ein Bad Boy, M\u00e4dchen sind braver. Was h\u00e4tte er als Vater mit einem solch b\u00f6sen Buben getan? &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Taru wusste fr\u00f6hlichere Geschichten zu erz\u00e4hlen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erz\u00e4hlte von ihrem Liebhaber Luigi, einem feurigen Italiener, sie sprach von \u201eAmore\u201c und \u201eCuore\u201c &nbsp;in Rimini. Mit einem alten Volkswagen war sie 1955 \u00fcber 4000 km an die Adria gefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war Taru wieder zu Hause in Finnland hatte Luigi eine andere, diesmal eine blonde Schwedin, vier Wochen darauf eine Deutsche, nat\u00fcrlich auch blond. Ja, so sind sie halt die Italiener mit ihren schwarzen Haaren, wenn sie ein blondes M\u00e4dchen sehen, werden sie zum Stier.<\/p>\n\n\n\n<p>Taru nahm es auf die leichte Schulter. Einmal im Leben eine Liebschaft mit einem feurigen Italiener, ist ein unvergessliches Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSei froh, dass es gewesen und sei nicht traurig, dass es vergangen\u201c, war ihr Motto und Leitspruch.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eFaul sind sie auch noch die Italiener\u201c, dachte sich Taru, um sich zu tr\u00f6sten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche mir lieber einen Schweden, am liebsten einen, der einen sicheren Arbeitsplatz bei Volvo hat. Taru war n\u00e4mlich verr\u00fcckt nach Volvo, ihr erster war ein alter 244er, 12 Jahre alt. Der Ehemann wurde dann doch kein Schwede, sondern Matti, ein Finne. &nbsp;Schweden sind in dieser Gegend einfach selten. &nbsp;Aber immerhin war er Verk\u00e4ufer im Volvo Autohaus. Kurz nach der Hochzeit 1977 gab es dann einen nagelneuen 760er f\u00fcr das lebenslustige Paar \u201eSweden\u2018 s finest Car\u201c, sagte Tarus Ehemann immer wieder \u00fcber seinen 760er, aber auch zu den solventen Kunden. \u201e I drive Sweden\u2018 s finest car and I married Suomi\u2019 s &nbsp;most funny girl!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Leider sprach Tarus Mann dem Schnaps zu und starb mit 80 Jahren an Herzversagen. Er war ein liebenswerter Mensch mit einer langen roten Nase, die im Laufe der Zeit immer l\u00e4nger und knollenartiger wurde. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein alter Volvo S 80 steht immer noch vor Tarus Haus, sie wird ihn niemals verkaufen. Er ist die sch\u00f6nste Erinnerung an Matti und seine Seele lebt in diesem Auto weiter. Die Leute spotteten, Taru liebe den Volvo mehr als die M\u00e4nner, meistens sind sie ja zuverl\u00e4ssiger als M\u00e4nner, diese alten Schnapsnasen und Casanovas. Matti war zum Gl\u00fcck kein Casanova und zuverl\u00e4ssiger als ein FIAT war er allemal. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Paavos Enkelin Aino lebte auch in der kleinen Stadt Kajaani mit ihrem Ehemann. Paavo sp\u00fcrte, dass weder die Enkelin noch ihr Gatte ihn besonders gerne mochten, sie hielten ihn einfach f\u00fcr altmodisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kaufte sich seit dem Tod seiner Frau keine neuen Kleider mehr, er sah im Fernsehen nur noch alte Filme oder sammelte Beeren und Pilze. Aino spielte an der Konsole gerne die Sims und wenn ihr dies zu langweilig wurde auch mal Assasins Creed, f\u00fcr sie gab es nichts langweiligeres als Beeren sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Taru hatte zur Geburtstagsfeier als Geschenk eine f\u00fcnf Liter Kanne frische Milch vom Bauern mitgebracht. Was macht ein alter Mann mit f\u00fcnf Litern Milch. Er wusste ganz genau, dass die Enkelin nicht homogenisierte Milch mit Fettkl\u00fcmpchen nicht mochte. Deshalb sch\u00fcttete er sie in einen Mixer und bereitete frische Bananen und Erdbeermilch zu. Mit dem Rest setzte er Joghurt an. Fr\u00fcher war das ein Hochgenuss f\u00fcr die Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urenkelin Lia, f\u00fcnf Jahre, bekam ein Sch\u00e4lchen frischen Joghurt aus der verbeulten alten Milchkanne serviert. Leider war sie nicht begeistert und reif m\u00e4kelnd: \u201eIch esse nur Danone!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Enkelin Aino war das furchtbar peinlich, ihr Ehemann war ein einfacher Postbote, sie mussten f\u00fcr ihre Wohnung \u00fcber 600 Euro Miete bezahlen. Deshalb war ihr ein Kuvert mit 200 Euro, das der alte Paavo meistens mitbrachte der jungen Familie sehr willkommen. Zu Weihnachten gab es sogar f\u00fcnf gr\u00fcne Euro Banknoten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aino, die Enkelin, liebte die traurigen Geschichten ihres Opas nicht, schlimm genug, wenn die Mutter stirbt und man zu diesem Zeitpunkt gerade 16 Jahre alt ist. Bei Aino verflog die Trauer um die Mutter aber schnell, der Vater war viel unterwegs als Monteur und Aino konnte nach dem Tod ihrer Mutter tun und lassen was sie wollte, sie konnte und musste mit 16 erwachsen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ging gerne auf Parties und vergn\u00fcgte sich, bis sie den Postboten kennen lernte. Es wurde geheiratet und das Leben verlief in den gewohnten Bahnen, es passierte nichts aufregendes mehr. &nbsp;Abends lief der Fernseher, das Auto musste abbezahlt werden. In den Ferien reiste man mit dem Flieger nach Spanien oder in die T\u00fcrkei. Paavo hatte ziemlich viel Geld gespart und h\u00e4tte seiner Enkelin gerne einen Zuschuss f\u00fcr ein kleines H\u00e4uschen am Waldrand gegeben, aber Aino fand das total spie\u00dfig. Sie gab ihr Geld lieber f\u00fcr Flugreisen in den S\u00fcden aus. So kam es manchmal zu langen ergebnislosen Diskussion \u00fcber das Ersparte des Gro\u00dfvaters.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders peinlich wurde es, als die kleine Lia zu ihrem Uropa sagte: \u201eDie Mama ist aber eine schlechte Erbschleicherin!\u201c&nbsp; Aino w\u00e4re am liebten im Boden versunken, aber ihr Opa musste lachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der alte Mann und die Milchkanne Paavo war traurig. Vorige Woche hatte er seinen 90. Geburtstag gefeiert, zusammen mit der Nachbarin, der 88- j\u00e4hrigen Taru. 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