{"id":17,"date":"2012-12-25T18:37:46","date_gmt":"2012-12-25T16:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/stevefrontera.de\/2012\/12\/25\/weihnachtszeit\/"},"modified":"2012-12-25T18:37:46","modified_gmt":"2012-12-25T16:37:46","slug":"weihnachtszeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=17","title":{"rendered":"Weihnachtszeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Im selben Moment erinnerte  <span> <\/span>sich Manfred<span>  <\/span>zur\u00fcck an das Weihnachtsfest, das er immer  zusammen mit seinen Eltern gefeiert hatte. Der Christbaum war zumeist eine  Fichte gewesen, denn Fichten waren billig. Sein Vater hatte den Baum gew\u00f6hnlich  wenige Stunden vor der Bescherung aufgetrieben. Kreuzberg Senior war stolz  darauf,  den Weihnachtsbaum am Heiligen Abend zum halben Preis bekommen zu  haben. Er konnte sich \u00fcber jede Mark, die er irgendwo einsparen konnte, freuen  und zog es sogar in Erw\u00e4gung, auf den Weihnachtsbaum ganz zu verzichten.  <\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Die Gew\u00e4chse, die sein  Vater nach Hause gebracht hatte, waren nicht immer sch\u00f6n und Maria Kreuzberg  maulte gelegentlich, wenn sie einen Baum mit unregelm\u00e4\u00dfig gewachsenen \u00c4sten  schm\u00fccken musste. Der Weihnachtsbaum der Familie Kreuzberg war fast immer einer  der \u00fcbrig gebliebenen. Doch was ist Sch\u00f6nheit eigentlich, warum finden wir ein  M\u00e4dchen oder einen Baum sch\u00f6n?<span>  <\/span>B\u00e4ume  haben etwas G\u00f6ttliches, sie \u00fcberdauern uns Menschen und wachsen weit \u00fcber unsere  Schultern hinaus. Manfred liebte <span> <\/span>B\u00e4ume,  denn sie hatten f\u00fcr ihn in der Tat etwas G\u00f6ttliches. Einen Baum zu verehren, war  f\u00fcr ihn etwas anschauliches, schlichtweg sch\u00f6nes. Es war zumindest sch\u00f6ner, als  einen unsichtbaren, nicht bildlich vorstellbaren Gott zu verehren. Manfred  streifte durch den Wald, um sich eine besonders sch\u00f6ne Fichte auszusuchen. Er  f\u00fchlte sich wie ein Jurymitglied einer  Sch\u00f6nheitskonkurrenz.<\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Lange durchstreifte er den  Wald, bis er zwei junge, v\u00f6llig unterschiedliche Fichten sich gegen\u00fcberstehen  sah. Die eine war gleichm\u00e4\u00dfig gewachsen, die andere krumm und schief. Wie  \u00e4hnlich die Natur doch ist, die Fichten unterscheiden sich ebenso wie die  Menschen, es gibt sch\u00f6ne und weniger sch\u00f6ne. Doch um sagen zu k\u00f6nnen, was sch\u00f6n  und eben nicht sch\u00f6n ist, bedarf es des menschlichen Urteilsverm\u00f6gens. Den  Fichten selbst wird es ziemlich egal sein, ob sie sch\u00f6n oder weniger sch\u00f6n sind.  Wie kommt es eigentlich, dass ich vieles von dem, was andere Leute h\u00e4sslich  finden, als sch\u00f6n empfinde. Ein verrostetes Wasserrohr, ein altes verhautes  Emailwaschbecken hat f\u00fcr mich eine eigenwillige Sch\u00f6nheit? Ist es ein Protest,  den ich selbst nicht mehr als Protest wahrnehme? <\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Manche Dinge k\u00f6nnen sch\u00f6n  und h\u00e4sslich gleichzeitig sein. Nehmen wir die Ratte, das Tier, das von der  Protestbewegung Punk kultiviert wird. Die Ratte kann ekelhaft und s\u00fc\u00df  gleichzeitig aussehen. Wir Menschen k\u00f6nnen beim H\u00e4sslichen das H\u00e4ssliche  ausblenden und das Sch\u00f6ne daran sehen. <\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Es w\u00e4re interessant, zu  erfahren, in wie weit das Programm, etwas sch\u00f6n zu finden, angeboren  ist.<\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">    <\/font><\/font><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Urteilsverm\u00f6gen, in dem  Moment, als ihm dieses Wort auf der Zunge lag, dachte er an Immanuel Kant und  sein Buch die \u0084Kritik der Urteilskraft\u0093. Manfred h\u00e4tte nie die Geduld  aufgebracht, dieses Buch zu lesen. Au\u00dferdem hasste er Kant wegen seiner  Ordnungsliebe und Genauigkeit. Er selbst war das totale Gegenteil dieses  Philosophen, er suchte st\u00e4ndig nach Ver\u00e4nderung und war vom Wandertrieb  besessen. <\/font><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><\/font><\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0pt\" class=\"MsoNormal\"><span><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 14pt\">Der Gedanke, Gott in der  Natur zu suchen, wie es die Philosophen des deutschen Idealismus taten, lag ihm  n\u00e4her. Schelling und Fichte, die beiden Philosophen interessierten ihn  pl\u00f6tzlich, er beschloss, im Lexikon \u00fcber diese beiden, oft in einem Atemzug  genannten M\u00e4nner, nachzuschlagen.<\/font><\/font><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im selben Moment erinnerte sich Manfred zur\u00fcck an das Weihnachtsfest, das er immer zusammen mit seinen Eltern gefeiert hatte. Der Christbaum war zumeist eine Fichte gewesen, denn Fichten waren billig. Sein Vater hatte den Baum gew\u00f6hnlich wenige Stunden vor der Bescherung aufgetrieben. 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