{"id":697,"date":"2019-11-09T17:17:45","date_gmt":"2019-11-09T15:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=697"},"modified":"2019-11-10T11:20:42","modified_gmt":"2019-11-10T09:20:42","slug":"noch-eine-buchkritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stevefrontera.de\/?p=697","title":{"rendered":"noch eine Buchkritik"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oblomov<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oblomoverei ist in Russland ein gefl\u00fcgeltes Wort, es steht f\u00fcr Tr\u00e4umerei, Faulheit und mangelnde Tatkraft, jedoch auch f\u00fcr Sensibilit\u00e4t und Eigenwilligkeit.<\/p>\n<p>Wo bleibt der Mensch? Wo bleiben die Gef\u00fchle? Diese Frage stellt sich Oblomov angesichts der Betriebsamkeit und des Trubels in seiner Umgebung. Er ist alles andere als zielstrebig, ganz\u00a0 im Gegensatz zu seinem Freund Andrei Stolz, der russisch deutscher Abstammung ist.<\/p>\n<p>Oblomov ist Tr\u00e4umer. \u201eIst die Phantasie Freund oder Feind?\u201c so fragt sich Oblomov zu Anfang des zweiten Teiles. Sie ist der Feind, wenn es darum geht, reale Ziele zu erreichen, dennoch beschert sie ihm Momente des Gl\u00fccks, sofern er sich zur\u00fcckzieht und auf die innere Stimme der Seele h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Oblomov mag den Vergleich mit anderen Menschen nicht, er ist nicht so wie die anderen und deshalb ha\u00dft er diesen Vergleich au\u00dferordentlich.<\/p>\n<p>Das Seelenleben, das Introvertierte und Gef\u00fchlsbetonte wird zum Hauptgegenstand wie so oft in der russischen Literatur.\u00a0 Der Partymensch, der pflichtbewusste Beamte und der flei\u00dfige Redakteur, alle bleiben Oblomov fremd. Aber woher kommt seine Tr\u00e4gheit? Die Faulheit und Lethargie geh\u00f6ren einfach zu seinem Wesen. Tiefe Menschlichkeit bescheinigt Stolz seinem Freund jedoch, gerade weil er frei von Machtbesessenheit bleibt.<\/p>\n<p>Tarantjew, der Betr\u00fcger und Schmarotzer wirbt um die Freundschaft Oblomovs und zieht ihm das Geld mit allen m\u00f6glichen Tricks aus der Tasche. Er ist das Beispiel des korrupten, bestechlichen Russen.<\/p>\n<p>Oblomov lernt die junge, ebenfalls sehr sensible Olga, deren Mutter gestorben ist kennen. Sie wurde von ihrer Tante aufgezogen. Der zweite und dritte Teil besch\u00e4ftigt sich mit dieser Liebe.<\/p>\n<p>Die Liebe Oblomovs zu Olja bleibt mir unverst\u00e4ndlich, sie ist in gewissem Sinne sogar selbstlos. Vielleicht zeigt sich gerade in dieser Haltung die Gr\u00f6\u00dfe Oblomovs. Liebt Oblomov selbstlos? Er verg\u00f6nnt Olga jedenfalls einen \u201ebesseren\u201c Mann. \u00dcber die Liebe, ihre Formen und Auspr\u00e4gungen erfahren wir viel.<\/p>\n<p>Ist es der Mutterinstinkt, die Olja den schwachen Oblomov lieben l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Oblomov wird in der Kindheit verz\u00e4rtelt. Ist dies der Grund f\u00fcr sein Wesen?<\/p>\n<p>Andrei Stolz darf in seiner Kindheit ohne, da\u00df der Vater besorgt ist, die Umgebung erkunden, sp\u00e4ter als Student soll er Westeuropa besuchen.<\/p>\n<p>Insgesamt ist es ein sehr trauriger Roman, Oblomov kann dieser Traurigkeit mit Gelassenheit begegnen. Olga ist ein sehr sensibler Mensch. Sie ist traurig, gerade weil es ihr so gut geht, weil sie in Andrei Stolz einen besorgten und liebevollen Ehemann gefunden hat.<\/p>\n<p>&#8222;Die H\u00e4nde der Deutschen sind grob und rot?&#8220;, sagt Oblomov vor \u00fcber 100 Jahren<\/p>\n<p>Stimmt das?<\/p>\n<p>Gontscharov benutzt eine elegante k\u00fcnstlerische Sprache, mit vielen Parataxen. Bei mir stellte sich beim Lesen oft die Oblomovsche Stimmung ein. Es ist kein sonderlich spannendes Buch, melancholische Menschen jedoch werden einen Teil ihrer Seele beim Lesen wiederfinden.<\/p>\n<p>Zitat Olga: Wenn Sie sterben w\u00fcrde, w\u00fcrde ich ewig nach Ihnen Trauer tragen, w\u00fcrde ich ewig nach Ihnen Trauer tragen und w\u00fcrde nie im Leben wieder l\u00e4cheln. Wenn Sie eine andere haben w\u00fcrde ich nicht murren, sondern werde Ihnen im Stillen Gl\u00fcck w\u00fcnschen. F\u00fcr mich ist die Liebe, das selbe wie das Leben.<\/p>\n<p>Das Leben ist eine Pflicht, folglich ist auch die Liebe eine Pflicht. Die Langeweile, die qu\u00e4lende Langeweile kann Gonscharov bestens darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Oblomov &nbsp; Oblomoverei ist in Russland ein gefl\u00fcgeltes Wort, es steht f\u00fcr Tr\u00e4umerei, Faulheit und mangelnde Tatkraft, jedoch auch f\u00fcr Sensibilit\u00e4t und Eigenwilligkeit. Wo bleibt der Mensch? 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