Erzählkunst
Der kürzeste Golf Witz unter Hobbyspielern lautet: Ich kann’s. Das könnte auch auf uns Hobby Dichter zutreffen. Zur Erzählkunst benötigt man Fantasie und Sprachkompetenz. Spannung, sprachlich Bilder, Gefühle.
Kunst hin oder her, ich erzähle euch jetzt einfach eine Geschichte. Aus London.
Wimbledon ist nicht nur ein Tennisturnier, sondern auch ein Stadtteil. Mit einer öffentlichen Bibliothek und 63 000 Einwohner. Im Allgäu ist das eine Metropole, in London ein Stadtteil. Dass man mich in Wimbledon nicht Tennis spielen lässt, war eh klar, ich bin aber schon etwas stolz, dass ich wenigstens in der öffentlichen Bibliothek ein Buch lesen durfte. Alles wirkte etwas abgenutzt und genau das machte den Charme dieser Bibliothek aus. Unsere neue In Augsburg ist weitgehend orange und auf Hochglanz getrimmt, das erinnert an die Müllabfuhr, nur fehlt der Abfall. Wenn wenigstens einer mal eine Cola Dose vergessen würde, wäre das Feeling authentischer.
Ich las in Wimbledon ein Buch einer konservativen Feministin- Louise Perry, keine schwere Kost.
An David Chalmers und Daniel Danett hätte ich mich nicht auf Englisch herangewagt. Ein neues Wort habe ich auch gelernt „empowering“ ermächtigend. Sex ohne Liebe sei das. Aber das mache ich sowieso nicht. Ich spiele höchstens Tennis mit Leuten, die ich nicht mag, auch wenn ich keine Lust dazu habe.
Beim Tennis nennt man Disziplin, beim Sex Zügellosigkeit und Abstumpfung.
Zwischen Sex und Tennis gibt es dennoch erstaunliche Parallelen. Es kenne Leute, die jeden Tag dazu stundenlang Lust haben und Leute, die nie dazu Lust haben.
Luthers Empfehlung Zweimal die Woche ist eine gute Regel, die für Tennis und Sex gilt. Louise Perry ist konservative Feministin, ja das gibt es auch, es gibt auch arme Poeten, die nach Golf HCP 54 spielen.
Perrry ein häufiger Name, eine Wanderung durch den Perry Wood bei Canterbury ist mit in der Erinnerung geblieben, es gibt fast nur Laubbäume.
Was vor 41 in der Nacht vor dem Wimbledonsieg passierte, werde ich nicht erzählen. Was in 41 Jahren in Wimbledon passieren, werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erzählen.
Es sei denn, ich werde so alt wie Hans Gadamer 102 Jahre. Die Autokorrektur auf dem Handy machte einst aus Gadamer das Wort Kadaver und ein paar Monate war es dann soweit.
48 equals for times twelve
I am Looking to my shelf
4 novels are still unwritten
Their love is still hidden
48 years ago I really believed in Love
My disappointed soul needs a glove
Ich erzähle eine weitere Geschichte aus Wimbledon. Wie aus einer geschüttelten Colaflasche sprudeln die Erinnerungen. Im Museum befinden sich 400 Jahre alte Tennisschläger und ein 55 Zoll Bildschirm. Natürlich auch der Holzschläger Dunlop Maxplay, den früher fast alle gespielt haben. Nachdem es sich herumgesprochen hatte, dass es ihn in Wörishofen für 59 Euro gibt, haben die Mitglieder der hiesigen Vereine den Laden leer gekauft.
Doch zurück zum großen tusch screen Bildschirm. Ich scrolle zu 1981. 1981 hat übrigens letztmals ein Mann mit einem Holzschläger Wimbledon gewonnen, John Mc Enroe.
Mit einer Fingerbewegung kann man die Gewinner der letzten 50 Jahre auswählen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich vor allem für die Ladies interessiere.
Martina N. gegen Hana M.
Ich war für Hana, gerade mal drei Jahre älter als ich, ein Teenager. Braune Augen und braune Haare.
Ich will nun aber nicht weiter von rehbraunen Augen von Teenagern sprechen, das könnte mir zum Nachteil gereicht werden, denken wir an Manuel Hagel, er wäre beinahe Ministerpräsident von Baden-Württemberg geworden, wenn er nicht von den rehbraunen Augen einer Sechzehnjährigen geschwärmt hätte. Immer noch besser die rehbrauen Augen als bei der Waffen-SS wie Günter Grass. Wenn er das früher geoffenbart hätte, dann hätte er den Nobel Preis nicht bekommen.
Nabukov hat den Nobel Preis auch nicht bekommen, ob wohl er 11 Mal nominiert, vielleicht war sein Roman Lolita zu unmoralisch.
Meine Schwärmerei für Hana wird mich nicht vom Nobelpreis abhalten, schon eher mangelnde Erzählkunst, womit wir wieder beim Thema wären.
Zwei Tschechinnen standen1981 wie heuer im Finale, nur dass Martina keine mehr sein wollte und als staatenlos antrat. Ob der alte Herr Husak auf dem Hradschin auch zuschaute?? Mir liegt das Lied.
Was Machens da in USA Herr Svoboda in den Ohren. Herr Freiheit- Die Freiheit in der CSSR war eine andere.
Die Klimaanlage im Museum in Wimbledon bläst kalten Wind in den Nacken. Es bestehen gute Chancen auch bei 34 Grad auf eine Mandelentzündung.